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Messe «Kind+Jugend»: Spielen mit dem Elektro-Freund

Quelle: dpa infocom

Es gibt zwar immer weniger Kinder in Deutschland, aber dafür greifen die Eltern für sie tiefer in die Tasche. Bei Bekleidung und Spielwaren werden die Pro-Kopf-Ausgaben für die lieben Kleinen weiter wachsen - meint die Branche auf der Messe «Kind+Jugend».

Ein Autositz, der Babys Körpertemperatur reguliert, silberbeschichtete Daunen für Allergiker oder eine automatische Babywippe: Bei den Neuheiten, die auf der weltgrößten Fachbesuchermesse für Kinderausstattung gezeigt werden, spielen Sicherheit und auch Bequemlichkeit eine Rolle. Gleich zu Beginn der 50. «Kind+Jugend» (bis 19. September) mit 820 Ausstellern aus gut 40 Ländern staubten zwei patente Mütter für ihre Erfindung einen Sicherheitspreis ab: Sie entwickelten als «Weltneuheit» eine absturzsichere Wickelkommode.

«Das Baby liegt auf dem Wickeltisch, das andere Kind schreit, weil es aufs Klo muss, dann klingelt es an auch noch an der Tür - und schon ist es passiert.» Julia Lambrecht-Hoven, Mutter von vier Kindern, hatte es satt und erfand zusammen mit Dreifach-Mutter Katrin Plambeck einen besonderen Sicherheitskasten. Er wird mit einem Handgriff aus dem Wickeltisch hochgezogen und schützt das Baby sekundenschnell mit Rundum-Wänden. Nun hoffen sie auf guten Absatz: Immerhin fallen angeblich jedes Jahr Hunderttausende Kinder beim Wickeln auf den Boden.

Unter den Neuheiten - vier Tage lang werden Möbel, Autositze, Mode, Spielzeuge oder Kinderwagen in Köln präsentiert - ist auch eine automatische Babywippe. Eine neue Technologie ahme die Wippbewegung der Mutter nach und beruhige den quengelnden Nachwuchs zusätzlich mit Naturgeräuschen.

Laut Koelnmesse ebenfalls eine Welt-Neuheit: ein Textil-Einsatz im Autositz, der die Körpertemperatur der Kleinsten mitreguliert. «Das kommt aus der Raumfahrtforschung, um Temperaturschwankungen auszugleichen», erzählt eine Firmensprecherin. «Schwitzt das Baby, nehmen die Substanzen in der Textilie Körperwärme auf und geben einen kühlenden Effekt, sie leiten aber auch automatisch bei Bedarf wieder Wärme zurück.»

Die Branche sieht Kinder nach einem guten Jahr 2009 als «Gewinner der Krise», an ihnen werde wohl auch im laufenden Jahr nicht gespart. Für Bekleidung klettern die Ausgaben pro Kind von 240 (2009) auf wohl 260 Euro, erwartet der Textileinzelhandelsverband BTE. Bei Spielwaren für bis zu Dreijährige werde es bei der Spendierlaune von Eltern und Großeltern bleiben - und damit auch 2010 bei Umsatzzuwächsen, meint der Spielwaren-Einzelhandel. Weil die Geburten hierzulande aber zurückgehen, setzt die Branche auch verstärkt auf Exporte.

An bequeme Eltern richtet sich wohl ein interaktiver Hase, der mit den Sprösslingen Verstecken spielen kann: Der «Elektro-Freund» zählt bis zehn, ruft «ich komme» und macht sich auf die Suche. Das Kind hat einen Sensor - eine Plastikmöhre - am Hosenbein, so dass der Spielhase es tatsächlich finden kann.

Damit die Kleinen im Kinderwagen Ruhe geben, können sie auch dort beschallt werden: Ein Hersteller zeigt ein Modell mit eingebautem Lautsprecher-System im Verdeck und MP-3-Player-Anschluss. «Damit können Sie Ihr Kind bestens unterhalten, mit Vorlesegeschichten, Schlafgeschichten», meint ein Sprecher. Praktisch sind eine Regenjacke und -hose, die das Kind ruckzuck in einen Rucksack verwandeln kann. Oder ein Mützenbommel, der im Dunklen leuchtet.

Es darf auch noch aktiv gespielt werden: Ein Trommeleinsatz im Kinderstuhl macht den Knirps zum Drummer und soll dessen Musikalität und Kreativität fördern, glaubt man dem Erfinder. Und tatsächlich gibt es auch im Jahr 2010 noch Kasperletheater mit handgefertigten Puppen.

 


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